Nachdem ich das Naturreservat Sungei Buloh Wetland Reserve in Singapur bereits in meinen Singapur Geheimtipps kurz erwähnt habe, wird es Zeit für einen eigenen Guide. Denn ein reiner Listeneintrag wird diesem Ort wirklich nicht gerecht.
Singapur hat ja so ein Image. Zwei, drei Tage Stopover, Marina Bay Sands, Gardens by the Bay, völlig ausreichend. Ich verstehe das gut, denn die Stadt packt einen sofort und meistens bleibt es dann bei den futuristischen Highlights in der Innenstadt, die man besichtigt.
Aber Singapur hat eben auch eine Seite, von der die meisten Reisenden schlicht keine Ahnung haben, und genau diese Seite schauen wir uns in diesem Sungei Buloh Wetland Reserve Reiseführer an. Und ich kann dir jetzt schon versprechen, dass es sich lohnt.
An einem Morgen bin ich also einfach in den Norden Singapurs zum Sungei Buloh Wetland Reservat gefahren, weit raus, dorthin, wo die Hochhäuser irgendwann aufhören.

Darum ist das Sungei Buloh Wetland Reserve ein echter Singapur Geheimtipp
Denn das Sungei Buloh Wetland Reserve liegt im äußersten Norden Singapurs, direkt an der Grenze zu Malaysia, und ist wohl eines der beeindruckendsten Naturschutzgebiete ganz Südostasiens. Seit 2003 steht das Feuchtgebiet unter Naturschutz und trägt den Titel ASEAN Heritage Park, was aber eigentlich die wenigsten Besucher der Stadt je gehört haben dürften.
Und genau das ist der Punkt. Der Ort liegt weit genug im Norden, dass er für einen typischen Singapur-Stopover schlicht nicht mehr auf dem Plan steht. Wer nur zwei oder drei Tage Zeit hat, fährt da nicht hin.
Was bedeutet, dass du dort fast ausschließlich Einheimische triffst, eine völlig andere Atmosphäre als in der Innenstadt vorfindest und ein Singapur erlebst, das sich kein bisschen nach Touristenort anfühlt.
Darum lohnt sich das Sungei Buloh Wetland Reserve:
- Wird fast ausschließlich von Einheimischen besucht, Touristen sind die absolute Ausnahme
- Wildtierbegegnungen auf einem Niveau, das ich so in Singapur nicht erwartet hätte: Leistenkrokodile, Nashornvögel, Warane, Eulen, Fledermäuse und viele Zugvogelarten in freier Wildbahn
- Eintritt kostenlos, Anfahrt mit der MRT und Bus problemlos möglich
- Echter Slowtravel-Moment mitten in einer der geschäftigsten Städte Asiens
Das Reservat liegt direkt an einem wichtigen Zugvogelkorridor zwischen Australien und Sibirien, sodass je nach Jahreszeit ganz unterschiedliche Arten anzutreffen sind. Dichte Mangrovenwälder, Brackwasserbecken und weitläufige Gezeitenflächen prägen das Bild, und davon spürst du in der Stadt selbst natürlich rein gar nichts.
Das Museum am Eingang nicht überspringen
Direkt am Haupteingang des Naturschutzgebiets gibt es ein kleines, modernes Museum, das kostenlos zugänglich ist. Ich bin ehrlich gesagt eher zufällig dort reinspaziert, aber es hat sich auf jeden Fall gelohnt. Du bekommst einen guten Überblick, welche Tierarten im Reservat vorkommen, wie das Ökosystem der Mangroven funktioniert und worauf du auf den Wegen achten solltest.
Ich habe durch das Museum erst verstanden, warum die Gezeitenflächen so eine wichtige Rolle für die Tierwelt spielen, und habe die Schlammspringer und Wattvögel danach noch einmal ganz anders wahrgenommen.
Ein persönlicher Tipp: Wenn du vergessen hast, etwas zu trinken mitzunehmen, hast du direkt neben dem Eingang des Museums die Möglichkeit kalte Getränke aus dem Automaten zu kaufen. Ich empfehle dir, auf jeden Fall genug Wasser mitzunehmen oder eben am Museum etwas zu kaufen. Denn die Hitze Singapurs kann gnadenlos sein.
Im gesamten Nationalpark gibt es keine Restaurants und lediglich an einer weiteren Station mit Toiletten, kannst du wieder Getränke aus einem Automaten kaufen.
Die Wanderung im Sungei Buloh Wetland Reserve
Die Wege im Sungei Buloh sind typisch Singapur, also tadellos gepflegt und gut ausgeschildert. Es ist eher eine Mischung aus Naturspaziergang und Wanderung, wobei das Level wirklich sehr leicht ist. Du läufst über Holzstege durch den Mangrovenwald, entlang von Wasserflächen, vorbei an mehreren Vogelbeobachtungsstationen und Aussichtsplattformen mit Blick auf das benachbarte Malaysia.
Ich habe für den Rundweg insgesamt rund fünf Stunden gebraucht, was natürlich auch daran lag, dass ich immer wieder angehalten habe. Und das solltest du auch. An den Vogelbeobachtungsstationen lohnt es sich wirklich, ein bisschen zu warten, denn wer zu schnell läuft, verpasst hier das Meiste.
Ein Fernglas ist übrigens keine schlechte Idee, vor allem für die Gezeitenflächen, wo viele Vögel weit draußen im Wasser stehen. Ich hatte mein großes Kameraobjektiv dabei, sodass ich die Tiere problemlos aus der Ferne betrachten konnte.
Die Wanderroute auf Komoot
Wie immer kannst du meine Wanderroute bei Komoot speichern und sie dann später selbst für deine Wanderung nutzen.
Falls du auch komoot als Wander-App nutzt, kannst du Wanderung im Sungei Buloh Wetland Reserve dort in meinem komoot Profil ansehen und die Tour merken oder als GPX Datei speichern.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von komoot. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf den Button unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Weitere Informationen 'Diese Tiere habe ich im Sungei Buloh Naturreservat gesehen
Ich habe im Sungei Buloh Wetland Reserve mehr Wildtiere in freier Wildbahn gesehen als in so manchem Dschungel, den ich auf meinen Reisen besucht habe. Die Nähe der Tierbegegnungen hat mich wirklich überrascht.
Relativ früh auf meiner Wanderung lag ein Leistenkrokodil direkt neben dem Wanderweg, keine drei Meter entfernt, regungslos in der Sonne. Leistenkrokodile sind die größten Krokodile der Welt, was die Begegnung noch einmal eine Spur intensiver macht, auch wenn das Reservat gut gesichert ist und du auf den Wegen relativ sicher bist.
Dennoch gibt es zahlreiche Warnschilder am Weg, da die Tiere hier in freier Wildbahn leben. In der Ferne entdeckte ich kurz vor Ende der Wanderung noch ein weiteres Leistenkrokodil, das ich auf mindestens fünf Meter schätze.
An einer der überdachten Stationen hing sogar eine kleine Gruppe Fledermäuse von der Decke herunter, vielleicht einen Meter über meinem Kopf, ohne sich auch nur im Geringsten für mich zu interessieren. Kurz darauf eine wunderschöne Eule, regungslos in den Ästen.
In den Gezeitenflächen wateten unzählige Gruppen von Brachvögeln durchs flache Wasser, deren langer, nach unten gebogener Schnabel schon von Weitem gut zu erkennen ist.
Warane ruhten sich in der Mittagshitze an schattigen Plätzen aus, und auf den Wattflächen tummelten sich Schlammspringer. Zwischendurch sieht man im Naturschutzgebiet immer wieder Nimmersatte, Kingfisher und zahlreiche andere Vogelarten.
Ich könnte diese Liste noch unendlich fortführen, da es einfach so viele Tiere waren, die ich beobachten konnte. Das Sungei Buloh Wetland Reserve ist wie ein Zoo mit Tieren, die frei leben können.
Kurz vor dem Ende meines Rundwegs gab es aber dann das richtig große Highlight, mit dem ich überhaupt nicht gerechnet hatte.
Auf einmal gab es ein lautes Knacken und Rascheln in den Bäumen, begleitet mit einem Ruf, den ich noch nie gehört habe. Und auf einmal sprangen zwei Gruppen Nashornvögel in den Bäumen auf mich zu. Sie sprangen zwischen den Ästen hin und her, riefen sich gegenseitig zu und haben mich neugierig betrachtet.
Ich habe einfach dagestanden und zugeschaut, minutenlang. Nie im Leben zuvor habe ich diese wunderschönen und frechen Vögel gesehen und ich war mega happy. Eigentlich war mein großes Ziel einfach nur die Leistenkrokodile zu sehen, aber das hat alles getoppt.
Der Orienthornvogel gehört zu den beeindruckendsten Vögeln Südostasiens und ihn so aus nächster Nähe zu erleben war das absolute Highlight des gesamten Tages.
Die Menschen hier sind anders
Singapur gilt wie viele andere Großstädte der Welt als reserviert, was ich auch so empfunden habe. Im Sungei Buloh war das aber spürbar anders.
Ich wurde mehrmals von Einheimischen angesprochen, die mir spontan Tiere zeigten. Und auch als ich ihnen gesagt habe, dass ich so gerne Leistenkrokodile sehen würde, lief eine Frau sogar ein Stück des Weges mit mir, weil sie mir zeigen wollte, wo sie eine Stunde zuvor ein Krokodil beobachtet hatte. Einfach so, ziemlich cool! Die Menschen dort waren offen, gesprächig und sichtlich stolz auf ihr Reservat.
Das ist wohl das Singapur, das die meisten Touristen nie zu sehen bekommen.
Anfahrt zum Sungei Buloh Wetland Reserve
Das Reservat liegt im Norden Singapurs, was erstmal abschreckend klingt. In der Praxis ist die Anfahrt aber wirklich unkompliziert, auch wenn sie sich zeitlich ein wenig ziehen kann.
Mit Uber oder Grab kommst du am bequemsten hin, allerdings solltest du aus der Innenstadt mit rund 20 Euro rechnen.
Mit der MRT und dem Bus geht es deutlich günstiger und es ist wirklich kein Problem. Ich bin von der Station Dhoby Ghaut mit der Metro bis zur Endstation Kranji (NS7) gefahren und von dort mit der Buslinie 925M direkt zum Reservat. Die Bushaltestelle liegt praktisch am Eingang zum Reservat. Am besten nutzt du Google Maps für die Navigation, denn damit funktioniert es einwandfrei. Von Dhoby Ghaut aus habe ich insgesamt etwa eine Stunde und 15 Minuten gebraucht.
Die Bushaltestelle in Kranji am Reservat kannst du dir hier in Google Maps direkt abspeichern.
Meine Tipps für deinen Besuch im Sungei Buloh
- Ausreichend Wasser mitzunehmen ist in Singapurs Hitze wirklich Pflicht. Es gibt zwar vereinzelt Getränkeautomaten, aber Restaurants suchst du im Reservat vergeblich.
- Früh aufbrechen, weil die Tierwelt morgens deutlich aktiver ist und die Hitze noch erträglich bleibt. Zudem entgehst du so der Mittagshitze.
- Fernglas einpacken, wenn du eines hast, vor allem für die Gezeitenflächen.
- Idealerweise checkst du online die Gezeiten, da es bei Flut viel schwerer ist, die Krokodile zu entdecken. Am einfachsten ist es, sie bei Ebbe zu spotten.
- Das Museum am Eingang ist kostenlos und gut gemacht, also nicht einfach daran vorbeigehen.
- Der Eintritt zum Sungei Buloh Wetland Reserve ist kostenlos.
Lohnt sich der Tagesausflug zum Sungei Buloh Wetland Reserve?
Auf jeden Fall, und ich würde sogar sagen, dass das Sungei Buloh zu den eindrücklichsten Naturerlebnissen gehört, die ich je in einer Großstadt gemacht habe. Selbst wenn ich diesen Besuch mit meinen Dschungelwanderungen vergleiche, habe ich noch nie so viele unterschiedliche, frei lebende Wildtiere gesehen. Insofern war meine Überraschung groß, dass ich in Singapur so viele Wildtiere sehen konnte.
Dazu echte Stille und ein Singapur, das sich überhaupt nicht nach dem anfühlt, was man von dieser Stadt erwartet. Jeder, der behauptet, Singapur sei langweilig, war definitiv noch nie im Sungei Buloh Wetland Reserve.
Wenn du also mehr als zwei oder drei Tage in Singapur bist, sollte dieser Ausflug in die Natur unbedingt auf deiner Liste stehen.
Noch mehr Singapur-Geheimtipps




































0 Kommentare