Nachdem ich meinen ausführlichen Erfahrungsbericht zum Bako-Nationalpark veröffentlicht habe, geht es heute um einen weiteren Ausflug, den du von Kuching aus gut an einem halben Tag machen kannst: das Semenggoh Wildlife Centre, wo du frei lebende Orang-Utans beobachten kannst.

Ich habe mittlerweile zweimal Borneo bereist und war beide Male im Semenggoh Wildlife Centre, einmal im Mai und einmal im November, und hatte tatsächlich das Glück, immer einen Orang-Utan zu sehen.
Was dich in diesem Reiseführer erwartet: Meine persönlichen Erfahrungen aus zwei Besuchen, alle wichtigen Infos zur Anreise und zu den Fütterungszeiten, und eine ehrliche Einschätzung, ob sich der Besuch wirklich lohnt.
Semenggoh Wildlife Centre: Was ist das eigentlich?
Das Semenggoh Wildlife Centre liegt rund 24 Kilometer südlich von Kuching im Semenggoh Nature Reserve und wurde 1975 gegründet. Ursprünglich war es ein Rehabilitationszentrum für Orang-Utans (Pongo pygmaeus), die aus Gefangenschaft befreit worden waren, misshandelt, verletzt oder als Jungtiere verwaist aufgefunden wurden.
Das Programm war so erfolgreich, dass die aktive Rehabilitation inzwischen ins Matang Wildlife Centre ausgelagert worden ist, weil die Kapazitäten des umliegenden Regenwalds irgendwann ausgeschöpft waren.
Heute lebt hier eine Gruppe von mittlerweile rund 31 halbwilden Orang-Utans im Semenggoh Wildlife Centre, also Tiere, die entweder selbst rehabilitiert wurden oder als Nachkommen bereits in freier Wildbahn zur Welt kamen.
Bei meinem ersten Besuch im Jahr 2023 standen bereits 28 Tiere auf der offiziellen Liste des Semenggoh Wildlife Centres, wie du auf meinem Foto der Namensliste sehen kannst. Die Population entwickelt sich also stetig weiter.
Die Orang Utans im Centre sind offiziell nicht in Gefangenschaft, bekommen aber zweimal täglich eine Fütterung als Unterstützung, und genau zu diesen Zeiten öffnet der Park für Besucher. Das Entscheidende dabei ist, dass die Tiere frei entscheiden, ob sie zur Station kommen, da sie frei im Regenwald leben. Es gibt also schlicht keine Garantie, und wer das nicht einkalkuliert, wird unter Umständen enttäuscht nach Hause fahren.
Übrigens steckt im Namen „Orang Utan“ selbst schon eine kleine Geschichte: Denn „Orang“ bedeutet auf Malaiisch „Mensch“, „Utan“ oder „Hutan“ bedeutet „Wald“. Orang-Utan heißt also schlicht „Waldmensch“, was angesichts der Art, wie diese Tiere leben, eigentlich kaum treffender sein könnte.
Manche Tiere der Gruppe wurden übrigens schon seit über 15 Jahren nicht mehr gesichtet, so selbstständig leben sie inzwischen dort.
Saisonaler Tipp vom Guide: Wenn der Regenwald wenig Früchte trägt, kommen die Tiere deutlich häufiger zur Fütterung. In fruchtreichen Zeiten versorgen sie sich lieber selbst im Dschungel, was für die Tiere natürlich das Beste ist, für Besucher aber frustrierend sein kann. Dennoch haben die Ranger so ihre Tricks die Tiere anzulocken, denn auf dem Speiseplan steht eine Vielzahl von Früchten, die sie ihnen servieren. Durian ist dabei ihre absolute Lieblingsnahrung.
So läuft ein Besuch im Semenggoh Wildlife Centre ab
Bevor es zu den Futterstationen geht, kommt man an einem kleinen Café mit Shop und Museum vorbei, wo du dich über die Geschichte des Centres und die einzelnen Tiere informieren kannst. Jedes Tier wird dort mit Namen und Geschichte vorgestellt, was ich beim zweiten Besuch tatsächlich interessanter fand als beim ersten, denn man schaut danach mit anderen Augen auf die Tiere.
Es gibt mehrere Futterstationen im Reservat, wobei nicht alle gleichzeitig zugänglich sind. Bei meinem ersten Besuch sind wir ein Stück durch den Dschungel gelaufen und haben auf einer Holzplattform gewartet.
Beim zweiten Besuch war dieser Weg gesperrt und wir haben die Fütterung direkt auf dem Hauptplatz beobachtet, wo es eine weitere Station gibt. Welche Station geöffnet ist, entscheiden die Ranger je nach Situation vor Ort. Außerdem kommt es auch darauf an, aus welcher Richtung die Orang-Utans aus dem Dschungel kommen.
Zuerst erhält man jedoch eine Sicherheitseinweisung, da sich die Tiere frei bewegen.

Der Ablauf der Fütterung im Semenggoh Wildlife Centre selbst ist denkbar simpel: Man wartet, bis ein Orang-Utan erscheint. Kündigt sich eines der Tiere an, geht ein Ranger zur Station und verteilt Futter auf dem Boden, damit der Orang-Utan es sich holen kann. Bei beiden Besuchen habe ich maximal 20 Minuten gewartet, was ich als angenehm kurz empfunden habe, denn man weiß ja nie, was einen erwartet.
Tipp meines Guides: Die Vormittagsfütterung ist die bessere Wahl, da die Tiere dann hungriger sind und die Chancen höher sind, sie zu sehen. Falls du morgens keinen Orang-Utan zu Gesicht bekommst, kannst du mit demselben Ticket am Nachmittag ohne Zusatzkosten nochmal kommen. Eine Voranmeldung oder Buchung ist für den individuellen Besuch nicht nötig, es gibt kein Besucherlimit, was allerdings auch bedeutet, dass es an manchen Tagen deutlich voller sein kann als an anderen, was ich selbst erlebt habe.
Meine zwei Besuche: Entspannt, voller, und ein Orang-Utan, den niemand erwartet hatte
Beim ersten Semenggoh Wildlife Centre Besuch war es noch vergleichsweise ruhig, denn wir waren maximal eine Gruppe von 20-25 Personen. Und trotz der fruchtreichen Jahreszeit ist tatsächlich ein einzelner Orang-Utan aus der Tiefe des Dschungels mit lautem Knacken der Äste zur Station gekommen. Er hat sich direkt das Futter geholt und hat es dann an einem Seil hängend in aller Ruhe verspeist, was ziemlich witzig aussah.
Nach etwa zwanzig Minuten ist er dann wieder im Dschungel verschwunden. Mehr war es nicht, aber ich saß auf einer Holzplattform mitten im Regenwald von Borneo und hatte einen Orang-Utan vor mir, der sich um meine Anwesenheit herzlich wenig geschert hat. Was will man mehr!
Zweiter Besuch: Negatives Besucherverhalten und ein besonderer Moment
Ich bin auch deshalb ein zweites Mal in das Semenggoh Wildlife Centre hingegangen, weil mein erster Besuch so entspannt war, und ich die Orang-Utans wieder in aller Ruhe betrachten wollte. Zudem habe ich natürlich auch gehofft, diesmal vielleicht noch mehr dieser faszinierenden Tiere zu beobachten.
Beim letzten Besuch im November war die Erfahrung jedoch eine völlig andere, denn ich schätze, dass es weit über hundert Besucher waren.
Vor der Fütterung gab es die obligatorische Einweisung durch die Ranger: Ruhe halten, Abstand wahren, Blitzlicht ausschalten, keine Nahrungsmittel sichtbar tragen, um die Tiere nicht zu provozieren. Denn ein ausgewachsener Orang-Utan hat die Stärke von fünf erwachsenen Männern. Und da es keinen Zaun gibt, können die Orang Utans theoretisch jederzeit angreifen, wenn sie sich provoziert fühlen. Dieselben Regeln wurden mindestens dreimal erklärt.
Und dann hat sich ein Großteil der Besucher trotzdem nicht daran gehalten. Lautstarke Gespräche, Lachen, Drängeln in Richtung Futterstation. Ich verstehe das schlicht nicht, denn man kommt doch extra deswegen hierher.
Als der Orang-Utan dann glücklicherweise doch erschienen ist, war es natürlich der übliche Sprint nach vorne, obwohl er noch im Dschungel in den Bäumen saß. Ich habe mich schon an dem Punkt zurückgezogen, denn zum Glück hatte ich mein 600mm-Objektiv dabei und konnte aus der Distanz trotzdem gute Aufnahmen machen, als das Tier oben im Baum saß.
Was diesen Besuch aber dennoch besonders gemacht hat, war die Reaktion der Ranger und meines Guides, der weiter hinten mit mir stand. Das Tier, das erschien, war einäugig, eine Verletzung, die es sich irgendwann mit einem Stock zugezogen hatte, und der Guide erklärte mir aufgeregt, dass dieses Tier seit über zwei Jahren nicht gesehen worden war.
Hinzu kam, dass in den Tagen zuvor wegen Regen kein einziges Tier erschienen war, was die Stimmung unter den Rangern ohnehin schon angespannt hatte. Als dann also ausgerechnet dieses Tier auftauchte, war die Freude der Ranger spürbar, und das war irgendwie ansteckend.
Außerdem war wohl auch das dominante Männchen der Gruppe Ritchie irgendwo in der Nähe, denn sein tiefes Brüllen hallte mehrfach durch den Dschungel, sodass der andere Orang-Utan oben in den Baumkronen erst einige Zeit ehrfürchtig abwartete, bevor er sich zur Futterstation hinunter traute.
Nachdem er also gefühlt 10 Minuten oben in der Baumkrone saß und uns beobachtete, kam er dann irgendwann mit seinen akrobatischen Griffen nach unten und schnappte sich schnell das begehrte Futter.
Dann ging es allerdings wieder ganz schnell. Der Orang Utan hatte verständlicherweise vermutlich gar keine Lust auf das ganze Spektakel mit über 100 Touristen und verschwand ganz schnell in den Tiefen des Dschungels. Wir warteten dann noch eine Weile, am Platz, da der Alpha Ritchie auch noch weiterhin in der Nähe war. Dieser ließ sich aber auch nicht mehr blicken, sodass wir nach etwa 20 Minuten wieder zum Eingang gefahren sind.
Anreise und praktische Infos zum Orang-Utan-Reservat
Das Semenggoh Wildlife Centre liegt rund 24 Kilometer von Kuching entfernt, was mit dem Auto in etwa 20 bis 30 Minuten zu schaffen ist. Vom Haupteingang bis zu den Futterstationen sind es dann nochmals etwa 20 Minuten zu Fuß, alternativ gibt es Elektrogolfcarts, die man vor Ort separat buchen kann.
Mein Tipp: Die Wanderung vom Eingang bis zur Futterstation kannst du dir komplett sparen, denn die 30-minütige Wanderung lohnt sich meiner Meinung nach gar nicht. Du läufst den ganzen Weg auf einer Straße in der schwülen Hitze und es gibt auch keine wirklichen Highlights entlang des Weges. Zudem geht es ständig steil bergauf und wieder bergab, was die Wanderung anstrengend macht.
Ich empfehle dir auch eine geführte Semenggoh Wildlife Centre Tour, und das aus einem ganz praktischen Grund: Ein Grab für die Hinfahrt aus Kuching zu nehmen funktioniert meist problemlos, aber die Rückfahrt kann zum Problem werden, wenn man an einem Ort außerhalb der Stadt ist und kein Fahrer in der Nähe ist.
Das habe ich schon im Bako-Nationalpark erlebt, wo ich keine Fahrer in der App für die Rückfahrt gefunden habe. Mit einer organisierten Tour entfällt dieses Problem komplett, und die elektrischen Golf-Carts zum Eingang sind ebenfalls inklusive.
Wenn du die Semenggoh Wildlife Centre Tour lieber im Voraus organisieren möchtest, kannst du sie direkt online über Klook buchen*, aktuell für 31,50 USD inklusive Transfer und Eintritt. Diese Tour habe ich bei meinem zweiten Besuch auch genommen und wir waren eine Gruppe von 3 Personen, inklusive mir. Zudem hast du einen Guide, mit dem du dich über das Centre austauschen kannst.
Beachte dabei: Bei Klook muss man mindestens zwei Tage im Voraus buchen, eine spontane Buchung am Vortag ist dort nicht möglich.
Kosten im Überblick:
- Eintritt individuell: 10 Ringgit (ca. 2,15€)
- Grab hin und zurück ab Kuching: ca. 50 Ringgit (ca. 11€)
- Klook-Tour* inkl. Transfer und Eintritt: 31,50 USD
- Elektrogolfcart ab Eingang: vor Ort buchbar, Preis direkt am Eingang erfragen
Öffnungszeiten Fütterungen:
- Morgens: 9:00 bis 10:00 Uhr
- Nachmittags: 15:00 bis 16:00 Uhr
Lohnt sich der Semenggoh Wildlife Centre Besuch?
Das kommt darauf an, und du kannst dir nach dem Lesen des Beitrags sicher auch denken warum.
Wenn du Borneo nur im Westen rund um Kuching erkundest, ist das Semenggoh Centre eine solide Option. Mit realistischen Erwartungen und dem Wissen, dass es keine Garantie gibt, kann es ein wirklich besonderer Moment sein, vor allem wenn man zum ersten Mal einen Orang-Utan in mehr oder weniger freier Wildbahn sieht. Mein erster Besuch war genau das.
Aber ich wäre unehrlich, wenn ich verschweigen würde, dass hier der Tourismus deutlich spürbar im Mittelpunkt steht. Das Besucherverhalten beim zweiten Besuch hat mich ziemlich gestört, und es ist eben der Preis eines Ortes, der so viele Besucher anzieht. Wenn du damit umgehen kannst, wirst du trotzdem etwas Positives mitnehmen.
Gibt es bessere Alternativen zum Semenggoh Wildlife Centre?
Wenn du die Wahl hast und Borneo in einem größeren Rahmen erkundest, würde ich andere Alternativen vorziehen.
Das Sepilok Orangutan Rehabilitation Centre bei Sandakan im Nordosten soll deutlich entspannter und naturnaher sein, auch wenn ich es selbst noch nicht besucht habe. Auch das Danum Valley (Lempah Danum) soll sehr schön sein, doch ist die Anreise deutlich anstrengender, da es mitten im tiefen Dschungel liegt. Ich persönlich würde dir das Rehabilitation Centre der BOS Borneo Orangutan Survival Foundation bei Balikpapan im indonesischen Teil Borneos in der Samboja Lodge ans Herz legen.
Ich war dort und kann aus eigener Erfahrung sagen: Das ist ein grundlegend anderes Erlebnis, näher an echter Naturschutzarbeit und deutlich weniger Touristik. Dort kannst du auch wunderbar übernachten. Dazu kommt demnächst ein eigener Artikel hier auf Dailytrip.
Das Semenggoh Centre ist also keine schlechte Wahl, aber eben auch nicht die beste, wenn du auf Borneo mehr Zeit mitbringst.
Auch sehenswert: Der Bako-Nationalpark bei Kuching





















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